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Dieser eine Schlag

am 30.05.2016 von Alvaro

Golfblog Golfschlag

Ich habe ihn gerade wieder gespielt, diesen einen Schlag. Diesen einen Schlag, den man alle Vierteljahr mal spielt. Kennt Ihr das auch? Dieser eine Schlag, den man exakt so erwischt hat, dass er von keinem Profi der Welt hätte besser gespielt werden können.

Ich bin gerade im Golfurlaub in Norditalien und lerne wunderschöne Plätze rund um Trient kennen. Dabei habe ich auf dem „St. Vigil Seis“ einen dieser Traumschläge gespielt, nach denen man eigentlich getrost ins Clubhaus wandern, und den Schlag mit einem großen Glas Gewürztraminer begießen sollte...

Was war passiert? Der „St. Vigil Seis“ ist eine mehr als spaßige und gepflegte Wiese mit märchenhaftem Ausblick auf die Dolomiten. Er fordert mit großen Höhenunterschieden und dementsprechend erhöhten Abschlägen in schmale Fairway-Täler. Das Loch 6 ist das schwierigste Loch auf der gesamten Anlage und der Abschlag befindet sich gefühlte 100 Meter über dem Grün, welches nicht einsehbar ist. Man spielt in eine schmale Fairway-Gasse, die nach links biegt. Links ist das Aus, rechts der Abhang zur Bahn 3. Alles bei einer Länge von 378 Metern.

Ich stand  auf dem Abschlag und dachte: „Junge, bei 378 Metern und diesem Höhenunterschied mit leichtem Rückenwind in das Dogleg und zudem Höhenluft-Thermik bei 26 Grad reicht Dir ein Eisen 5. Damit kannst Du deine 250 Meter mit ordentlichem Roll spielen.“  Gesagt, getan.

Die gesamte Bewegung glich plötzlich einer einzigartigen Harmonie: Schulterdrehung, Hüfte entspannt nach vorne, lange Arme im Treffmoment und Körper hinterm Ball. Im Treffmoment nur ein leichtes „Klick“ - nicht einmal ein Zischen zu hören. Dazu ohne weitere Anstrengung in ein „Luke Donald Finish“. Dann: Ungläubiges Hinterherschauen. Der Ball startete mit einem leichtem draw und legte sich in dann nach und nach in den Wind, um der exakten Kurve des leichten Doglegs zu folgen.  Kurz vor dem Landpunkt war er aus dem Blickfeld verschwunden.

Meiner besseren Hälfte entfuhr ein „Wow, wie bei Sky“, und ich fügte hinzu, dass ich in meinem Golfer-Leben keinen besseren Schlag mit einem Eisen 5 produziert hätte. Das ist dieser Moment, in dem man am liebsten die Saloon-Tür des Clubhauses auftreten, und breitbeinig mit Eisen 5 im Gürtel-Halfter in den Raum fragen würde: „Was habe ich an der 6 abgeschlagen“?  Aber genug geträumt:

Der Ball lag 100 Meter!!!!! vorm Grün. Ich habe also ein Eisen 5 (mit allen erdenklichen, genannten Vorteilen) 278 Meter das dogleg hinunterbefördert.  Ich kann nicht so schnell Formel 1 fahren wie Vettel, ich kann nicht so schnell schwimmen wie Michael Phelps, so hart schießen wie Ronaldo und so gut aufschlagen wie Novak Djokovic, aber, ich kann exakt denselben Schlag wie Jason Day mit einem Eisen 5 machen. Ich kann auch dann und wann einen 20 Meter-Putt á la Tiger Woods lochen, und auch mal ein Pitching-Wedge am Par 3 an die Fahne legen wie Martin Kaymer.

Genau das macht unseren Sport so einmalig genial! Und um es mit Wowi´s Worten zu sagen: Ich golfe, und das ist gut so`

P.S.: Es gehört hier einfach nicht hin, was ich dann mit dem „halben Pitch“ aus 60 Metern veranstaltet habe...

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