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Aufwärmen oder Miguel Angel Jimenez?

am 05.10.2014 von Alvaro

Golfrunde aufwärmen

Neulich beim Golf-Turnier: Ich stehe mit zwei Mitspielern am Abschlag und warte auf den Beginn der Runde. Fünf Minuten vor dem Kanonenstart erscheint der letzte Flight-Partner, murmelt etwas von "War 'ne lange Nacht", zieht sich noch eine Zigarette durch und schlurft zum Tee. Zwei, drei Mal dehnt er sich mit dem Schläger über den Schultern und klopft den Ball mit dem Driver in die Ferne.

Ein paar Schläge zum Aufwärmen? Mentale Vorbereitung auf die Runde? Keine Spur. Lässig mag so manch einer denken, zumal es diesen "vom-Parkplatz-zum-Abschlag-Typus" wahrscheinlich häufiger gibt als man denkt. Und selbst von manchem Profi vermutet man, dass er sich mit Rotwein und Zigarre fit macht.

Bei Miguel Angel Jimenez zumindest stimmt das leider nicht ganz. Da muss ich die "Lässig-Fraktion" ein wenig enttäuschen. Ich habe mich einmal mit den einzig deutschen Physio auf der European-Tour unterhalten. Der Mensch erzählte, dass Jimenez bis zu 2 Stunden täglich im Fitnessraum arbeitet. Und zudem sei er vom Körperfettanteil überhaupt nicht so dick wie es im Fernsehen rüberkommen würde. Er habe einfach nur ein ausgeprägtes Hohlkreuz, das seine "Rioja-Wanne" noch stattlicher erscheine ließe. Auch eine Erklärung...

Max Kieffer erzählte mir an einem Demo-day, dass bei so ziemlich jedem Profi eine Stunde vor Start das Aufwärm-Programm startet! Erst ein wenig Physio-Übungen, dann das Bag von kleinem Schläger bis zum Driver hoch spielen. Schließlich noch Putten fürs Fine-tuning.

Muskeln, Bändern und Sehnen müssen vom ersten Abschlag an Höchstleistungen bringen. Wer seinen Bewegungsapparat vorher nicht auf Betriebstemperatur gebracht hat, riskiert viel: Zerrungen oder Krämpfe sind ärgerliche, aber vergleichsweise harmlosen Folgen. Schlimmer sind gerissene Muskelfasern und Sehnen, eingeklemmte Nerven oder verrutschte Bandscheiben, die man sich leicht einfängt, wenn man direkt zum Abschlag spaziert.

Eigentlich ist es am einfachsten, wenn man sich die "Turnvater Jahn"-Übungen ins Gedächtnis ruft. Einfach ein wenig Hampelmann, ein wenig Kniebeugen, und ein wenig drehen um die eigene Achse. Das ist für Kreislauf und Muskeln "First Class"!

Ich halte es tatsächlich mit Turnvater Jahn: Ein wenig seitliches Leisten-Dehnen, einige Male in die Hocke, Kniedrehen, Hals-stretchen, Rumpfdrehen und Rumpfbeugen zu den Zehenspitzen. Auch wenn meine Mitspieler schon des Öfteren: "Hör mal auf, die Leute gucken schon" gemurmelt haben, ich bleibe dabei...

Aber eine kleine Anekdote noch zu Jimenez. Ein Kumpel von mir hat ihn tatsächlich mal an der Hotelbar getroffen. Er kam dort gerade vom Zimmer und alle Bekannten schwafelten wie verrückt auf ihn ein. Er beachtete nichts und niemanden und schnappte sich den Barkeeper. Dem erklärte er nun sehr ernst und konzentriert, wie er seinen "Gin Mare" trinken möchte: Er solle bitte die Limette ein wenig raspeln und dann am Glasrand verteilen. Zudem möchte er einen Thymian-Zweig im Glas und den Rest der geraspelten Limette im Glas...Als der Barkeeper dann alles organisiert und erledigt hatte, stellte er Jimenez den riesigen Humpen Gin Tonic hin. Erst in diesem Augenblick erhellte sich sein Gesicht, die Mimik eines kleinen Kindes zur Weihnachtsbescherung erfüllte sein Antlitz, er drehte sich zur Gesellschaft und begann mit ihnen zu reden...

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