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Golf - ein echter Männersport!

am 01.06.2018 von A.S. / Alvaro

Golfsport Männerdomäne

Ha, haben wir Sie erwischt! 

Sie haben diesen Text angeklickt, weil die Überschrift Sie irgendwie 

a) sexistisch finden

b) alle ihre Erfahrungen bestätigt. 

Wenn Sie jetzt aber glauben, hier werde belegt, dass Männer die besseren, athletischeren Spieler seien, dann sprechen allein schon die zahlreichen Wampenträger an den Abschlägen gegen diese Annahme, Golf sei nur etwas für „richtige Männer". Ferner ist der Kleidungsstil der Herren der Schöpfung doch sehr stark feminin geprägt. Ich wette, dass 50% der Herren nach einer Turnierrunde nicht an einer Supermarktkasse stehen könnten, ohne belustigte Blicke auf sich zu ziehen. Lila Mützen in Kombination mit Pilotenbrillen und weißen Bügelfaltenshorts auf weißem Storchenbein sind eben sonst nur bei den Granden der Reeperbahn anzutreffen. 

Frauen können gut golfen, auch wenn sie sich im Durchschnitt mit einem niedrigeren Handicap zufrieden geben (http://www.hhgolf.de/planet-golf-themenwelt/blog/Golfen-Hamburger-besser). Aber das ist ein anderes Thema. Dabei fällt uns eine Flight-Partnerin ein, die neulich bei einem Turnier auf fast jeder Bahn „Wie weit ist es noch bis zum Grün?" fragte, um danach – egal ob es noch 60 oder 130 Meter waren - den Ball jedes Mal an die Fahne zu setzen. Unnötig zu erwähnen, dass sie später das Turnier gewann. 

Der alte Spruch, Golf stehe als Abkürzung für "Gentlemen Only, Ladies Forbidden", gilt nicht mehr flächendeckend, aber weltweit es gibt ein paar kleine Widerstandsnester gegen das gleichberechtigte Spiel von Mann und Frau auf dem Fairway. Kürzlich sorgte in Großbritannien die Sperre einer Golferin durch ihren Club (http://www.bbc.com/news/uk-wales-south-east-wales-44274676) für Aufregung, nachdem sie sich öffentlich beschwert hatte, Frauen würden bei der Vergabe der besten Startzeiten am Wochenende diskriminiert. Britische Traditionsclubs wie Royal St. George, Royal Aberdeen und Muirfield hatten in den vergangenen Jahren die letzten Bastionen der Diskriminierung eingerissen und akzeptieren auch weibliche Mitglieder. Muirfield allerdings nicht ganz freiwillig, sondern erst nach der Drohung, den Club künftig als Austragungsort von den Open Championship auszuschließen. So ein albernes Gehabe dieser Traditionsclubs ist völlig unnötig, denn eigentlich sind Männer im Clubhaus und auf dem Platz ohnehin fast unter sich. Ein kleiner Blick in die Statistik des Deutschen Golf Verband (DGV) zeigt, dass im vergangenen Jahr von den 644.943 registrierten Mitgliedern 235.983 weiblich waren – ein Anteil von 36,6 Prozent. Die Spanne reicht dabei von 31,7 Prozent in Sachsen bis 39,6 Prozent in Hamburg. Der DGV spricht von einem „nahezu gleichbleibenden, im internationalen Vergleich bemerkenswerten, Niveau", was insofern stimmt, da vor zehn Jahren der Damen-Anteil auch nur mickrige zwei Prozentpunkte höher lag...

Immerhin im internationalen Vergleich stehen die deutschen Damen großartig dar, denn weltweit wird der Anteil der aktiven Golferinnen auf ein Viertel geschätzt. In den USA machen sie 24 Prozent aus, in Australien stellen sie sogar nur ein Fünftel aller Clubmitglieder. Wenigstens die Schwedinnen stellen mit 26 Prozent mehr als ein Viertel der Golfer im Land. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, spiegeln sie doch nur die Zahl der Mitglieder in Clubs und Verbänden wider und nicht die Zahl auf dem Platz. Immerhin hat die weltweit führende Autorität im Golf, der Royal and Ancient Golf Club of St Andrews im Mai ein „Women in Golf Charter" ins Leben gerufen. Ziel: Die Zahl der Frauen und Mädchen im Golf zu erhöhen und ihnen mehr Möglichkeiten zu bieten, in der Golfbranche zu arbeiten. Ob da wirklich Gleichberechtigung eine Rolle spielt oder doch wirtschaftliche Gründe? Denn die Zahl der Golfer sinkt weltweit, und um dem entgegenzusteuern, wäre die Damenwelt als Zielgruppe perfekt: zahlreich, selbstbewusst, langlebig, finanziell unabhängig und kaufkräftig.

Aber woran liegt es nun? Ehrlich gesagt: Wir wissen es nicht. Zeitmangel? Möglich, aber das betrifft beide Geschlechter. Immerhin soll Golf durch vermehrte 9-Loch-Angebote für Frauen und Familien attraktiver werden. Ist der Sport selbst im Vergleich zu Yoga, Nordic-Walking oder Tanzen nicht attraktiv genug? Schon eher, aber welche Gründe sind es genau – Action, Abwechslung, Wettkampf? Vielleicht fehlt ihnen beim Golf einfach der gesellige Aspekt den andere Sportarten bieten, denn schließlich hält sich die Kommunikation während einer Runde ja oft in Grenzen: Man ist maximal zu viert unterwegs, geht oft getrennte Wege und schweigt beim Schwung der anderen. Nach unserer Vermutung ist dies genau der Grund, warum manche Männer so gerne Golfen: Sie haben dabei einfach ihre Ruhe.

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