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Schnell vs. Langsam

am 08.05.2016 von Alvaro

Schneller Golfen

Ist Golf ein Sport? Diese Frage muss ich einfach mal in den Raum stellen. Aus meiner bescheidenen Sicht der Dinge ist Golf natürlich ein Sport. Sogar der beste, den ich jemals betrieben habe.  Nur frage ich mich, weshalb das anscheinend 75% der Golfer nicht so sehen!? 

Was verleitet mich zu der Annahme?

Wie jedes Jahr, steige auch ich gerade wieder in das Turniergeschehen ein. Ich stelle dabei (wie jedes Jahr) fest, dass ich einer der wenigen Golfer bin, die eine Runde gerne in sehr zügigem Tempo spielt. Flightpartner schleichen und quatschen, dass sich die Fairways biegen!

Den eigenen Flight kann man ja noch zu seinem Glück zwingen, in dem man ein Stück weit auf die Tube drückt und voranschreitet, aber die Flights vor und hinter einem waren in den beiden Turnieren bis dato eine echte Sensation. Wie kann es sein, dass der letzte Flight 1 Stunde nach dem ersten startet, jedoch 2,5 Stunden später reinkommt? Und wie kann es sein, dass mitten drinnen vier ganze Bahnen zwischen zwei Flights frei sind?

Wo sind da die Marshalls und wo bleibt da der eigene Anspruch, eine Golfrunde konzentriert als Sport zu betrachten? Ich habe den leisen Verdacht, dass Golf von den meisten Praktizierenden als gesellschaftliches Ereignis verstanden wird. Denen ist ein Sponsoren-Turnier mit Weißbier und Currywurst alle vier Loch lieber, als eine erfolgreich gesunde Runde mit körperlicher Ertüchtigung und meditativer Konzentration auf das Spiel. 

Bitte nicht falsch verstehen, auch ich rede gerne mit Flight-Partnern zwischen den Schlägen. Mich interessieren Menschen, was sie tun, wie ihre Ansichten sind etc., aber, das heißt doch nicht, dass ich für eine Golfrunde 5,5 Stunden benötige!  Ein guter Bekannter von mir sagt immer: „Erlebnisgolf geht vor Ergebnisgolf“, aber damit meint er nicht, dass man sich während der Runde Zeit nimmt, den Golfplatz neu zu vermessen. Manchmals komme ich mir vor, als stünde ich gegen Boris Becker im Spielfluß eines Wimbledon-Finales, wir uns dann aber nach jedem Ballwechsel auf die Bänke setzen müssten, weil Edberg und Wilander das Spiel um Platz 3 auf demselben Court austragen!

Dieser Anfall hat auch nichts mit „guten und schlechten Golfern“ zu tun, denn diesen Unterschied kann ich hinsichtlich der Geschwindigkeit beim besten Willen nicht ausmachen. Ich konnte auch als Anfänger eine Golfrunde alleine in 2,5-3 Stunden beenden. Und ich habe einen Mannschaftsspieler bei uns im Club, der einstellig ist und knappe 5 Stunden für seine Runde benötigt, weil er sogar die Putt-Entfernung auf dem Grün lasert.

Ich plädiere also dafür, dass man Turniere und Startzeiten nach „Schnell und Langsam“ kategorisiert und die Leute sich mit dieser Wahlmöglichkeit in die Startlisten eintragen dürfen. Zudem würde ich eine Siegerehrung nur noch online im Livestream stattfinden lassen. Dann könnten sich die Schnellspieler kurz vor Mitternacht einloggen, und (nach Ihrer Dusche, dem Abendbrot, dem Freitags-Krimi und der Runde mit dem Hund) den gerade mit Grubenlampen auf der Club-Terrasse eingetroffenen Schleichern mit einem Weißbier zuprosten.

In meiner alten Firma gab es eine ähnlich faire Regelung: Hier flog bei Dienstreisen nicht die Geschäftsführung Business Class sondern es gab eine Körpergrößenregelung unabhängig vom Firmen-Status:

Unter 1,80m saß Economy und über 1,80m reiste in Business. Sehr, sehr sinnvoll...

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